Die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Frühlingsbote der Natur
Autorin: Elisabeth Faber, Hobbyfotografin, Freiburg im Breisgau

Die Küchenschelle (oder Kuhschelle), wissenschaftlich Pulsatilla vulgaris, zählt zu den frühblühenden Pflanzen aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Ihre glockenförmigen Blüten sind violett bis rotviolett gefärbt. Die Blüten stehen einzeln und erscheinen von März bis April. Die Blätter entwickeln sich erst während der Blütezeit und sind gefiedert. Die Pflanze fällt wegen ihrer dichten Behaarung auf. Die feinen und hellen Haare bilden eine isolierende Schicht, reflektieren einen Teil des Sonnenlichts und verhindern eine Überhitzung sowie Strahlungsschäden. Zusätzlich schützt die Behaarung vor dem Wind. Sie dient der Befestigung/Unterstützung der Blütenknospen, die am Ende des Winters nach oben geschoben werden. Die Blütenknospen werden bereits im Herbst gebildet.
Die Frucht der Küchenschelle ist ein silbrig-fedriger Samenstand, der sich nach der Blütezeit im Sommer entwickelt. Es handelt sich botanisch um eine Sammelfrucht, die aus vielen kleinen Einzelfrüchten besteht und vom Wind verbreitet wird.

Die Form der halb geschlossenen Blüte ähnelt einem Glöckchen oder auch einer Kuhschelle und trug zum Namen Kuhschelle bei. Die Verkleinerungsform „Kühchen“ hat im Laufe der Zeit zur Bezeichnung „Küchen“-Schelle geführt. Die Anspielung auf die Glockenform der Blüten spiegelt sich auch im wissenschaftlichen Gattungsnamen Pulsatilla wider, da er sich auf das lateinische Wort pulsare für schlagen, läuten bezieht. In der biologischen Nomenklatur (also der wissenschaftlichen Benennung von Arten) wird vulgaris oft verwendet, um zu kennzeichnen, dass es sich um die typische oder weit verbreitete Art einer Gattung handelt.
Die Küchenschelle wächst auf Trockenrasen, in trockenen Wäldern und braucht warmen, kalkhaltigen Boden. Man findet sie in West- und Mitteleuropa, bis zu 1000 m Höhe. Die Wurzeln reichen bis 1 m in die Tiefe. Dort kann die Pflanze Wasser und Nährstoffe aufnehmen, auch wenn die oberen Bodenschichten ausgetrocknet sind.
Gleich nach dem Erwachen aus der Winterruhe werden die violetten Blüten von Insekten wie Bienen und Hummeln besucht, die eifrig Nektar tanken und Pollen sammeln.

Alle Küchenschellen enthalten Protoanemonin, ein natürliches Gift, das vor allem in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) vorkommt. Küchenschellen schmecken bitter und scharf, was viele Tiere abschreckt. Weidetiere wie Rinder, Schafe und Pferde meiden die Küchenschelle. Junge Tiere probieren sie hin und wieder aus, lernen aber schnell durch unangenehme Reaktionen, auf sie zu verzichten.
Heute ist die Küchenschelle in vielen Regionen selten geworden. In der Roten Liste der Farn und Blütenpflanzen Deutschlands wird die Gewöhnliche Küchenschelle als gefährdet eingestuft. In einigen Bundesländern ist sie vom Aussterben bedroht.
https://botanikus.de/informatives/giftpflanzen/alle-giftpflanzen/kuhschelle-kuechenschelle
https://www.rote-liste-zentrum.de/de/Gewohnliche-Kuchenschelle-1850.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Kuhschellen
https://www.nabu-weilerbach.de/weitergehende-infos-zu/naturportrait/maerz
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