Textatelier
BLOG vom: 25.04.2005

Flop auf Flop: Tierversuche als nutzlose Perpetua mobilia

Autorin: Lislott Pfaff

„Sind Tierversuche nutzlos?“ überschrieb die „Basellandschaftliche Zeitung“ ihren Artikel zum Welt-Labortiertag vom 24. April 2005 (www.tierschutzbund.ch ). Aus meiner Sicht als ehemalige Übersetzerin medizinwissenschaftlicher Fachliteratur muss ich diese Frage mit „Ja, sie sind es zum allergrössten Teil“ beantworten.

Während meiner Tätigkeit bei der ehemaligen Ciba-Geigy in Basel las ich am Schluss von Untersuchungsberichten aus den biomedizinischen Forschungslabors der Basler Pharmaindustrie immer wieder Folgendes: Ob die aus den Tierversuchen ermittelten Resultate auch auf den Menschen zutreffen würden, sei ungewiss, weshalb noch weitere Tierexperimente nötig seien. Ein Perpetuum mobile, das schliesslich doch zu keinen verlässlichen Resultaten führte und auch heute noch nicht führt. 

Der Schritt vom Tierversuch zum Test am Menschen ist immer risikoreich. So sagte Hoechst-Pharmaleiter Hansgeorg Gareis, Tierversuche würden nie die Sicherheit ihrer Übertragbarkeit auf den Menschen verschaffen. „Unser Sicherheitsbedürfnis zwingt uns also, Arbeiten durchzuführen, deren Wert wir zugleich in Frage stellen“ (Ciba-Geigy Magazin 2/81). Das immer wieder vorgebrachte Argument, neue Medikamente ohne Tierversuche direkt am Menschen anzuwenden, sei „ethisch nicht vertretbar“, sticht nicht. In Tat und Wahrheit ist kein einziger Menschenversuch ethisch vertretbar, solange das Medikament direkt aus der Tierprüfung zunächst zu den gesunden freiwilligen Probanden und dann zu den Patienten gelangt. 

Immer wieder kommt es bei Anwendung beim Menschen zu schweren Nebenwirkungen, ja sogar zu Todesfällen, die im Tierversuch nicht aufgetreten sind. Frappante Beispiele dafür sind die Medikamentenkatastrophen mit „Celebrex“ und „Bextra“ von Pfizer und mit „Vioxx“ von Merck (Blog vom 09.04.2005), die alle im Lauf der letzten Monate wegen gravierender Nebenwirkungen vom Markt zurückgezogen wurden. Die neueste Hiobsbotschaft betrifft das Epilepsiemittel „Trileptal“ von Novartis (Blog vom 23.04.2005), das zu lebensbedrohenden Hautreaktionen und auch schon zu einigen Todesfällen geführt hat. 

Da fragt man sich, wo denn der anscheinend dank Tierversuchen erzielte medizinische Fortschritt zu suchen ist. Ich sehe da eher einen medizinischen Rückschritt; dies besonders angesichts der modernen Möglichkeiten, die sich mit der Darstellung ganzer menschlicher – statt tierischer – Organsysteme auf dem Computer-Bildschirm bieten. Dies wäre meiner Meinung nach das Ei des Kolumbus: keine Tierquälerei mehr, dafür virtuelle Versuche direkt am Humanorganismus. Gemäss Aussagen eines Informatikers bei Novartis könnten mit dieser Methode bei der Entwicklung eines neuen Medikaments sogar 2−3 Forschungsjahre eingespart werden. Und vielleicht könnte sich die Pharmaindustrie damit darüber hinaus in Zukunft jene Flops ersparen, die ihr in der Vergangenheit so oft beschert worden sind.

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