Textatelier
BLOG vom: 12.02.2023

Graureiher warten bewegungslos auf Beute

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Graureiher (Foto: Elisabeth Faber)
 

Kürzlich sah ich einen Graureiher (Ardea cinerea) auf einem Hausdach eines Wohngebäudes in der Feldbergstraße in Schopfheim. Er stand auf einem Bein zwischen zwei Kaminen stundenlang herum. Ob er die nahe Wärme der Kamine genoss oder nur die Schopfheimer Gegend bewunderte? Er liess sich auch nicht von vier Krähen, die auf dem Dach sich kurz niederliessen, verscheuchen. Es scheint ein Lieblingsplatz des Reihers zu sein, denn er wurde schon mehrmals auf diesem Dach gesehen.

Den Graureiher sieht man nicht nur an Flussläufen und Weihern, sondern auch auf Wiesen und in der Stadt. Klaus Böttger, Vorsitzender vom BUND Schopfheim, bestätigte dies. Er beobachtet immer wieder Flüge des Vogels über die Stadt. Einmal landete sogar ein solcher Vogel auf seinem Kirschbaum. Es wurden Graureiher zwischen Gündenhausen und Maulburg gesehen, die von einer Wiese aus mit kräftigen Flügelschlägen im Tiefflug knapp über Autos flogen.
Friedrich Adolph von der Vogelschutz-Ornithologische Gemeinschaft Schopfheim e.V., sah vor einiger Zeit eine Kolonie von Graureiher zwischen Langenau und Mülldeponie.

Besonders beliebt ist der Beutefang auf Wiesen. So beobachtet man auf Wiesen bei Langenau, Fahrnau, Hausen, Raitbach und in der Nähe vom Kirchrainweg die Vogelart. Auch an Teichen, am Fluss Wiese und auf dem Golfplatz in Fahrnau wurden schon Graureiher entdeckt.

 


Graureiher auf dem Dach (Foto: Heinz Scholz)
 


Silberreiher am Wehradelta (Foto: Heinz Scholz)
 

Walter Hess am Hallwilersee
Als Walter Hess im August 2008 am Hallwilersee wanderte, kam ihm eine Frau entgegen, die ihn ansprach. Sie beschrieb eine Stelle an einer Wiese, auf der sich Störche aufhielten. Walter suchte den Bezirk auf und sah keine Störche. „Es waren Graureiher, auch Fischreiher genannt, wie an den langsamen Flügelschlägen beim Fliegen mit zurückgezogenem Kopf zu erkennen war. Nochmals etwa 20 Reiher fielen mir an anderen Orten beidseits von Aesch (LU) auf.“

Hinweis: Blog von Walter Hess (22.08.2008): „Mosen bis Beinwiel am See: In bester Fischreiher-Gesellschaft.“

Häufiger Brutvogel
Livio Rey von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach äusserte in einer E-Mail, dass der Graureiher in der Schweiz ein häufiger Brutvogel ist und ganzjährig zu sehen ist. Er sucht sich schon immer auf Wiesen nach Nahrung, unabhängig vom Zustand der Gewässer.

Beim Beutefang stehen die Reiher bedächtig herum. Man könnte meinen, sie warten auf Beute, die vorbeikommt. Aber sie schreiten auch stolz auf und ab und erbeuten auf den Wiesen Mäuse und Frösche. Sobald der Reiher ein Beutetier erspäht, stößt er mit seinem dolchähnlichen Schnabel blitzschnell zu. In der Regel ernähren sich Reiher von Fischen, Amphibien, Reptilien, Wasservögel, Kleinsäuger, Insekten, Mollusken und Krebstieren.

So ein Reiher muss sich ganz schön anstrengen, um den Nahrungsbedarf von 330 bis 500 g zu decken.

Die Graureiher bauen oft ihre Nester in Baumkronen. Sie brüten zwischen März und Juni. Die Gelege bestehen aus 4-5 blaugrünen Eiern, die beide Eltern bebrüten. Sie füttern die Jungtiere in den Schnabel, später würgen sie die Nahrung aufs Nest.

Silberreiher gesichtet
Der Silberreiher (Ardea alba) wird jetzt vermehrt im Mitteleuropa gesichtet. Er ist ein grosser weisser Vogel mit gelbem Schnabel (in der Brutzeit ist der Schnabel schwarz mit einer gelben Basis) und grünlichgraue oder schwarze Beinen. Beachtlich ist die Flügelspannweite von 145 bis 170 Zentimeter. Das Gewicht beträgt 1 bis 1,5 Kilogramm. Der Silberreiher lebt in Schilfgürteln, an Seen, Flüssen und in Sümpfen. Ausserhalb der Brutzeit beobachtet man den Vogel auch auf Grünlandgebieten. Die Nahrung besteht aus Insekten, Amphibien, Fische und Mäuse. In Schopfheim wurden noch keine Silberreiher gesichtet, dafür im Wehradelta und in der Freiburger Gegend.

Livio Rey: „Der Silberreiher verbringt vor allem den Winter bei uns, bleibt aber immer mehr auch das ganze Jahr in der Schweiz… Beide Arten werden hauptsächlich an Gewässern und auf Wiesen und Felder beobachtet. Der Graureiher ist dabei häufig etwas zutraulicher als der Silberreiher und ist eher auch in Siedlungsnähe anzutreffen.“

 

Internet
www.vogelwarte.ch
www.vogelwarte.ch/graureiher
www.vogelwarte.ch/silberreiher
www.brodowski-fotografie.de
www.nabu.de
de.wikipedia.org/wiki/Silberreiher

 

Hinweis auf weitere Blogs von Scholz Heinz
Faszination von Fotos bei Regen
Maiglöckchen: Wunderschön, aber giftig für Mensch und Tier
Auf Pilzpirsch: Essbare von giftigen Pilzen erkennen
Ein bärenstarkes Museum in Gersbach
Barfuss über die Alpen
Foto-Blog: Auf geht`s zur Hohen Möhr
Foto-Blog: Vom Kleinen Rhein zum Altrhein
Fotoblog über den Schönauer Philosophenweg
Rote Bete (Rande), eines der gesündesten Gemüse
Hermann-Löns-Grab im Wacholderhain
Lüneburger Heide: Salzsau und Heidschnucken
Kutschenmuseum in Wiechs ist ein Schmuckstück
Canna verleihen einen Hauch karibisches Flair
Artenreiche Streuobstwiesen stark gefährdet
Liebe zu den Kräutern in die Wiege gelegt